drugcom.de > News > Aktuelle Meldungen > Viele Unfälle mit E-Scootern unter dem Einfluss von Alkohol und anderen Drogen
16.09.2026
Das Fahren von E-Scootern hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Zahl der Unfälle leider auch. Dabei spielen Alkohol und andere Drogen vergleichsweise häufig eine Rolle.

Bild: BIÖG
Ein kurzer Kick mit dem Fuß und der Elektromotor übernimmt. E-Scooter erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Das lässt sich leider auch in der Unfallstatistik ablesen. 16.496 Unfälle mit E-Scootern registrierte die Polizei im letzten Jahr in Deutschland. 38 Menschen kamen dabei ums Leben. Seit 2021 hat sich die Zahl der E-Scooter-Unfälle fast verdreifacht.
In 11 Prozent der Fälle standen die E-Scooter-Fahrenden unter dem Einfluss von Alkohol. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum traf dies auf 8 Prozent der Fahrradfahrenden zu. In einer Studie aus Leipzig haben Forschende E-Scooter-Fahrten, die unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen stattfanden, genauer unter die Lupe genommen.
Studienleiterin Susen Becker und ihr Team untersuchten E-Scooter-Fahrten in Leipzig und Umgebung, bei denen die Polizei Alkohol- oder anderen Drogenkonsum nachgewiesen hat. Insgesamt waren es 411 Fälle, die zwischen Oktober 2021 und Juni 2024 registriert wurden.
Besonders auffällig war, dass es sich in 9 von 10 Fällen um Männer handelte. Das Durchschnittsalter aller Personen lag bei 30,6 Jahren, die jüngsten waren 14 Jahre alt. Die Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen war am stärksten vertreten.
Die Zahl der Delikte nahm im Untersuchungszeitraum deutlich zu: Zwischen 2022 und 2023 stieg sie um 158 Prozent. Die Fahrten erfolgten überwiegend zwischen März und Oktober sowie an Wochenenden und in den Nachtstunden.
In 54 Prozent der Fälle wurden die E-Scooter-Fahrenden positiv auf Alkohol getestet. Der Durchschnitt betrug erstaunliche 1,4 Promille. Schon ab 1,1 Promille ist die so genannte „absolute Fahruntüchtigkeit“ erreicht, bei der die Unfallgefahr mehr als zehnmal so hoch ist wie unter nüchternen Bedingungen. 78 Prozent der Personen lagen über dieser Grenze.
Bei 42 Prozent der von der Polizei aufgegriffenen E-Scooter-Fahrenden wurde Cannabis nachgewiesen. Nach neuem Recht, das im Zuge der Teillegalisierung von Cannabis eingeführt wurde, lagen aber 27 Prozent der Cannabiskonsumierenden unter der Grenze von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blut. Ordnungswidrig handelt nur, wer über dieser Grenze liegt.
Einige der von der Polizei Aufgegriffenen hatten mehrere Substanzen konsumiert, meist zusätzlich zu Alkohol. Bei 27 Prozent wurden Amphetamine nachgewiesen, 7 Prozent hatten Kokain und 2 Prozent Opioide konsumiert.
Die Polizei hatte bei 37 Fahrten Unfälle protokolliert. In sämtlichen Unfällen stand die Fahrerin oder der Fahrer unter Alkoholeinfluss. In 84 Prozent der Unfälle wurde ein Wert von mindestens 1,1 Promille gemessen. 14 Prozent hatten zusätzlich Cannabis konsumiert.
Da verwundert es nicht, dass die Betroffenen meist die Balance verloren hatten. In 60 Prozent aller Unfälle war dies die unmittelbare Unfallursache. Die meisten Verletzungen waren zwar leicht, 19 Prozent hatten sich aber schwer verletzt. Betroffen waren überwiegend der Kopf und das Gesicht. Die Forschenden regen deshalb an, über eine Helmpflicht für E-Scooter-Fahrende nachzudenken.
Insgesamt kommen die Autorinnen und Autoren zu dem Schluss, dass mehr Aufklärung über die rechtlichen Regeln und die Auswirkungen von Alkohol und anderen Drogen auf die Fahrtüchtigkeit nötig sei. Denn was so manche der E-Scooter-Fahrenden vermutlich nicht auf dem Schirm haben: Wenn es um den Konsum psychoaktiver Substanzen geht, wird das Fahren von E-Scootern rechtlich wie Autofahren behandelt. Für das E-Scooter-Fahren gelten somit die gleichen Grenzwerte wie am Steuer, Führerscheinverlust inklusive.
Quellen:
Webanalyse / Datenerfassung
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