Anstieg der Krankenhausaufnahmen nach Cannabislegalisierung

26.08.2026

Mehr akute Probleme, mehr Psychosen. Forschende haben Datensätze der gesetzlichen Krankenversicherung durchkämmt und Auffälligkeiten nach der Cannabislegalisierung gefunden. Eine bestimmte Sorte Cannabis wird als Auslöser vermutet.

Nahaufnahme einer Cannabisblüte

Bild: underworld / Adobe Stock

Cannabiskonsum kann harmlos sein. Oder Probleme nach sich ziehen. Die meisten Menschen probieren Cannabis aus Neugier, und viele belassen es dabei oder kiffen nur hin und wieder. Doch manche Menschen reagieren empfindlich auf Cannabis oder entwickeln exzessive Konsummuster. Das kann zu akuten Problemen führen und mitunter in eine Krankenhausaufnahme münden. 

Ob die Cannabislegalisierung sich auf die Anzahl an Krankenhausbehandlungen ausgewirkt hat, das haben drei Forscher vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung der Uniklinik Hamburg untersucht.

Studienleiter Jacob Manthey hat zusammen mit Senadin Radas und Ludwig Kraus eine sogenannte Zeitreihenanalyse durchgeführt. Sie analysierten die Entwicklung der Krankenhausaufnahmen von Januar 2022 bis September 2025. Die Forschungsfrage lautete: Gibt es eine Zunahme der Krankenhausaufnahmen wegen Cannabis nach der Gesetzesänderung am 1. April 2024?

Sprunghafter Anstieg nach dem 1. April 2024

77.000 Krankenhausbehandlungen sind in die Studie eingeflossen. Nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes konnte tatsächlich ein sprunghafter Anstieg der Krankenhausaufnahmen nachgewiesen werden. Unter Erwachsenen betrug die Zunahme 5,6 Prozent, unter Jugendlichen sogar 14,9 Prozent. Bei Jugendlichen waren die Behandlungen in den Folgemonaten allerdings rückläufig und haben wieder das vorherige Niveau erreicht. Bei den Erwachsenen ist die Rate der Krankenhausbehandlungen hingegen stabil auf erhöhtem Level verblieben.

Unter den Erwachsenen fiel der Anstieg bei bestimmten Diagnosen besonders deutlich aus. Behandlungen wegen akuter Cannabisintoxikationen, also Vergiftungserscheinungen, nahmen um 37,1 Prozent zu. Auch Psychosen nach Cannabiskonsum wurden häufiger diagnostiziert. Die Rate der Krankenhausaufnahmen wegen Cannabispsychosen stieg nach der Gesetzesänderung um 16,4 Prozent. 

Die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen Cannabisabhängigkeit hat hingegen nicht zugenommen. Der beobachtete Effekt scheint sich auf akute gesundheitliche Probleme zu beschränken. 

Medizinischer Cannabis als Auslöser vermutet

„Die Nachfrage nach preisgünstigem Medizinalcannabis mit hohem THC-Gehalt ist sprunghaft angestiegen.“ (Manthey et al., 2026)

Die Studie kann nicht beweisen, dass die Gesetzesänderung die Ursache für die beobachteten Entwicklungen ist. Die Autoren diskutieren aber die Möglichkeit, dass medizinischer Cannabis einen Anteil an der Entwicklung hat. Denn mit der Legalisierung sind nicht nur die Vorschriften des Freizeitkonsums, sondern auch die für Medizinalcannabis gelockert worden. 

Cannabis ist aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen worden und kann nun leichter von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. „Im Ergebnis ist die Nachfrage nach preisgünstigem Medizinalcannabis mit hohem THC-Gehalt sprunghaft angestiegen“, schreiben die Forscher in ihrem Fachartikel.

Cannabis aus illegalen Quellen enthalte durchschnittlich 15 Prozent THC, dem Hauptwirkstoff der Cannabispflanze. Hingegen enthalte Cannabis aus Apotheken im Durchschnitt etwa 24 Prozent THC. Da hochpotente Cannabisprodukte mit einem höheren Risiko für psychische Probleme in Verbindung gebracht werden, könnte ein Wechsel zu solchen Sorten die Zunahme von Vergiftungen und Psychosen zumindest teilweise erklären.

Keine Verschiebung der Diagnosen von anderen Erkrankungen hin zu Cannabis

Manthey und sein Team haben auch alternative Erklärungen geprüft. Schon im letzten Jahr hat eine Forschungsgruppe eine Zunahme von Behandlungen wegen Cannabispsychosen in sechs bayrischen Kliniken festgestellt. Die Forschenden hatten unter anderem die Vermutung geäußert, dass es sich um eine Verschiebung der Diagnosen handelt. 

Manthey und sein Team fanden dafür aber keine Belege. Andere Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenien sind nicht zugunsten von Cannabisdiagnosen seltener gestellt worden.

Quelle:

  • Manthey, J., Radas, S. & Kraus, L. (2026). Increase in cannabis-specific hospital admissions after partial legalization in Germany: A nationwide time-series analysis. Dtsch Arztebl Int, 123, 413–417, https://doi.org/10.3238/arztebl.m2026.0123.

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