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09.09.2026
Manchmal endet Drogenkonsum in der Notaufnahme. Häufig spielen Herz-Kreislauf-Probleme dabei eine Rolle. Wie häufig sie auftreten und welche Drogen besonders betroffen sind, haben Forschende in einer europaweiten Studie untersucht.

Bild: David-W / photocase.de
Ein stechender Schmerz in der Brust, Herzrasen oder ein stark verlangsamter Herzschlag: Solche Symptome können auf eine akute Störung des Herz-Kreislaufsystems hindeuten. Drogen können die Ursache für sogenannte kardiovaskuläre Effekte sein.
Ein internationales Forschungsteam aus dem European Drug Emergency Network (Euro-DEN Plus) hat untersucht, wie häufig solche Beschwerden bei Menschen auftreten, die wegen akuter Drogenprobleme in der Notaufnahme behandelt werden. 19 europäische Länder sind an dem Netzwerk beteiligt.
Für die Studie werteten die Forschenden Daten von rund 60.000 Notaufnahme-Behandlungen aus, die zwischen Oktober 2013 und Dezember 2021 erfasst wurden. Berücksichtigt wurden nur Behandlungen, bei denen der Konsum von Drogen eine Rolle gespielt hat.
Die Analyse zeigt: Bei 23 Prozent aller einbezogenen Behandlungen dokumentierten die Kliniken mindestens eine kardiovaskuläre Auffälligkeit. Dazu zählen Brustschmerzen, Herzrasen, Bluthochdruck, niedriger Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen.
Unter den untersuchten Drogen sticht Kokain hervor. Von den Personen, die Kokain konsumiert hatten und in der Notaufnahme behandelt wurden, wiesen 46 Prozent Herz-Kreislaufstörungen auf. Besonders häufig war Kokain mit Brustschmerzen verbunden. Im Vergleich zu anderen Drogen war die Wahrscheinlichkeit für dieses Symptom bei Kokainkonsum fast fünfmal so hoch. Auch Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen traten unter Kokain überdurchschnittlich häufig auf.
Die Forschenden erklären dies mit der stark aktivierenden Wirkung von Kokain. Es erhöht Herzfrequenz und Blutdruck, wodurch der Sauerstoffbedarf des Herzmuskels steigt. Gleichzeitig verengt Kokain die Herzkranzgefäße. Dadurch wird der Herzmuskel schlechter mit Sauerstoff versorgt. Das Risiko für akute Herzprobleme steigt, aus denen sich auch ein Herzinfarkt entwickeln kann.
MDMA, auch bekannt als Ecstasy, war ebenfalls vergleichsweise häufig mit Herz-Kreislauf-Problemen verbunden. MDMA-Konsumierende hatten häufiger Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen als Personen, die andere Drogen konsumierten. Das Risiko für Bluthochdruck war mehr als doppelt so hoch, das Risiko für Herzrhythmusstörungen um 80 Prozent erhöht.
Konsumierende von Amphetaminen litten häufiger unter Brustschmerzen, Herzrasen und Bluthochdruck, aber nicht öfter als Konsumierende anderer Drogen unter Herzrhythmusstörungen.
Personen, die wegen Cannabis in der Notaufnahme waren, berichteten zwar ebenfalls häufiger über Herzrasen, jedoch wurden nicht häufiger Herzrhythmusstörungen bei ihnen festgestellt als bei anderen Drogen. Nach Einschätzung der Forschenden könnte das darauf hindeuten, dass die Herzbeschwerden eher mit der beschleunigten Herzfrequenz oder mit Angstreaktionen zusammenhängen als mit gefährlichen Rhythmusstörungen.
Opioide, Benzodiazepine sowie GHB und GBL waren dagegen häufiger mit erniedrigtem Blutdruck verbunden. Diese Stoffe wirken generell dämpfend auf das zentrale Nervensystem und können dadurch den Kreislauf verlangsamen.
Die Forschenden konnten außerdem zeigen, dass die Betroffenen häufiger intensivmedizinisch behandelt werden mussten, wenn sie mit Herz-Kreislauf-Problemen in die Notaufnahme kamen. Das Risiko für eine Aufnahme auf eine Intensivstation war mehr als doppelt so hoch wie bei Drogenkonsumierenden ohne kardiovaskuläre Symptome.
Von den intensivmedizinisch betreuten Personen verstarben 80. Allein 61 Todesfälle entfielen auf Personen, die wegen Herz-Kreislauf-Problemen notfallmedizinisch behandelt wurden. Die Forschenden errechneten eine 16-fach erhöhte Sterblichkeitswahrscheinlichkeit, wenn das Herz-Kreislauf-System beteiligt ist.
Die Studie zeigt damit, dass Herz-Kreislauf-Symptome bei akuten Drogenvergiftungen nicht nur häufig sind, sondern oft auch schwerere Verläufe nehmen können.
Quellen:
Überdosis Stimulanzien wird oft nicht erkannt (19.08.2025)
Ecstasy kann lebensbedrohliches Leberversagen auslösen (24.02.2026)
Anhaltende Herzschäden auch nach Abstinenz von Alkohol und Kokain (12.08.2025)
Ist Cannabis die Ursache für wiederkehrendes Erbrechen? (14.04.2026)Webanalyse / Datenerfassung
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