Auswirkungen jugendlichen Cannabiskonsums

12.08.2026

Das Gehirn Jugendlicher ist besonders anpassungsfähig – und empfindlich zugleich. Eine aktuelle Übersichtsarbeit legt nahe, dass der frühe Einstieg in den Cannabiskonsum nachhaltige Folgen haben kann.

Bild: John David Escobar / iStock.com

Wenn zwei Personen das Gleiche tun, kommt nicht immer das Gleiche dabei raus. Cannabiskonsum kann sich auf Jugendliche und Erwachsene unterschiedlich auswirken. Darauf verweist ein aktueller Fachartikel eines italienischen Forschungsteams.

Valerio Ricci und sein Team haben sich in die wissenschaftliche Literatur vertieft und 36 Studien ausfindig gemacht, die sich mit den Folgen jugendlichen Cannabiskonsums beschäftigt haben. Die untersuchten Arbeiten umfassen Langzeitstudien, neuropsychologische Tests und Hirnscans. 

Cannabis greift in kritischer Periode der Gehirnentwicklung ein

Die Auswertung der Hirnscan-Studien deutet darauf hin, dass ein früher Beginn des Cannabiskonsums mit messbaren Veränderungen im Gehirn verbunden ist. Dies betraf junge Menschen, die mit 16 Jahren oder noch früher mit dem Konsum begonnen hatten. 

Die Forscher sprechen von einer „kritischen Periode“ der Gehirnentwicklung. Denn das Gehirn Jugendlicher unterliegt einem fundamentalen Umbauprozess. Die Hirnrinde nimmt in der Jugend typischerweise an Volumen ab. Überflüssige Nervenzellen werden abgebaut und die verbleibenden zu einem effizienten Netzwerk verschaltet. 

In einer Langzeituntersuchung scheint die Ausdünnung der Hirnrinde bei kiffenden Jugendlichen aber übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Insbesondere im Bereich des so genannten präfrontalen Cortex war die Hirnrinde dünner als bei Gleichaltrigen, die nicht konsumiert haben. Diese Region ist unter anderem für Planung, Impulskontrolle und Entscheidungen wichtig.

Insgesamt deuten die Studien darauf hin, dass die Netzwerkstruktur des Gehirns sich anders entwickelt, wenn Jugendliche kiffen. Zwar können die Studien nicht belegen, dass Cannabis ursächlich verantwortlich ist, Ricci und sein Team gehen aber davon aus, dass Cannabis maßgeblich Einfluss nimmt. Eine wichtige Rolle könnte dabei das körpereigene Endocannabinoid-System spielen, das an der Reifung neuronaler Netzwerke beteiligt ist.

Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit

Dies könnte auch Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit haben. Beobachtungsstudien finden Hinweise auf eine verminderte Intelligenz, wenn ab der Jugend bis ins Erwachsenenalter regelmäßig gekifft wird. Eine Studie mit Zwillingen legt jedoch nahe, dass noch weitere Faktoren außer Cannabis, wie die Gene oder die Erziehung, maßgeblich an der kognitiven Entwicklung beteiligt sind. 

Zwar scheint sich das Gehirn Jugendlicher bei Abstinenz auch wieder erholen zu können, jedoch deuten Studien darauf hin, dass die Erholung nicht hundertprozentig das Niveau von Nie-Konsumierenden oder Späteinsteigern erreicht. 

Jugendliche entwickeln schneller eine Cannabiskonsumstörung

Vergleichsweise eindeutig waren die Ergebnisse in Bezug auf das Suchtrisiko. In mehreren Studien fanden sich Belege, dass Jugendliche ein deutlich höheres Risiko als Erwachsene haben, eine Cannabiskonsumstörung zu entwickeln, wie Sucht in der Fachsprache bezeichnet wird. Problematisch sei, dass das Belohnungszentrum im jugendlichen Gehirn besonders empfindlich reagiert, ihre Fähigkeit zur Selbstkontrolle aber noch unausgereift ist.

Auch langfristig fanden die Forscher Zusammenhänge mit verschiedenen Problemen. Früher Cannabiskonsum wurde unter anderem mit schlechteren Bildungsergebnissen, Angststörungen sowie einem erhöhten Risiko für psychotische Symptome in Verbindung gebracht.

Allerdings geben die Forschenden auch zu bedenken, dass nicht alle Jugendlichen gleich betroffen sind und viele weitere Faktoren wie die Gene, die Erziehung oder das soziale Umfeld eine Rolle spielen. In jedem Falle empfehlen die Forscher, dass Präventionsstrategien darauf abzielen sollten, möglichst früh problematische Entwicklungen zu erkennen und passende Hilfe anzubieten. 

Video, Selbsttest und Beratung zu Cannabiskonsum

In einem Animationsvideo auf YouTube wird anschaulich erklärt, wie Cannabis auf das jugendliche Gehirn wirkt. Wer den eigenen Cannabiskonsum überprüfen will, kann dies mit dem Cannabis Check tun. Kostenlose und anonyme persönliche Beratung rund um Cannabis gibt es bei Quit the Shit.

Quelle:

  • Ricci, V., Sarni, A., De Berardis, D., Martinotti, G. & Maina, G. (2026). How adolescent cannabis use reshapes the developing brain - a systematic review. Frontiers in Psychiatry, 17, 1822300, https://doi.org/10.3389/fpsyt.2026.1822300.

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