Synthetische Opioide - Drogenlexikon

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Synthetische Opioide

Wichtige Erkenntnisse

  • Synthetische Opioide sind künstlich hergestellte Substanzen, die an die körpereigenen Opioid-Rezeptoren binden.
  • Die meisten synthetischen Opioide wurden im 20. Jahrhundert in der pharmakologischen Forschung entwickelt, teils jedoch wegen ihrer extremen Potenz nie vermarktet.
  • Das synthetische Opioid Fentanyl und seine chemischen Abwandlungen spielten in der Opioid-Krise in den USA ab etwa 2013 eine wichtige Rolle.
  • Seit 2019 treten vermehrt Nitazene auf dem illegalen Markt in Erscheinung.
  • Das Gegenmittel Naloxon wirkt bei synthetischen Opioiden nicht mehr so zuverlässig wie bei klassischen Opioiden.

Was sind synthetische Opioide?

Synthetische Opioide sind vollständig künstlich hergestellte Substanzen. Das bedeutet, dass für ihre Herstellung keine natürlichen Bestandteile des Rohopiums verwendet werden. Rohopium wird aus dem milchigen Saft der Schlafmohnkapseln gewonnen und enthält hauptsächlich die natürlichen Opiate Morphin und Codein. Synthetische Opioide binden wie natürliche Opiate an den körpereigenen Opioid-Rezeptoren. 

Welche synthetischen Opioide gibt es?

Auf der Suche nach Schmerzmitteln ohne euphorisierende und suchterzeugende Wirkung hat die pharmazeutische Forschung im 20. Jahrhundert eine Reihe künstlicher Opioide hervorgebracht. 

  • Pethidin (engl. Meperidine) wurde 1939 als erstes vollsynthetisches Opioid hergestellt. Da es zu der Zeit leichter als Morphin verabreicht und dosiert werden konnte, fand es in der Medizin weite Verbreitung als Schmerzmittel. Inzwischen ist es aufgrund gefährlicher Nebenwirkungen durch andere Opioide ersetzt worden. Allerdings bildete Pethidin auf dem illegalen Drogenmarkt die Grundlage für die Entwicklung chemisch leicht veränderter Substanzen mit teils deutlich stärkerer Wirkung.
  • Methadon ist 1946 erstmals hergestellt worden. Es wird heute noch im Rahmen der Substitution als Ersatzmittel für das halbsynthetische Opioid Heroin verwendet. Methadon erzeugt keine starken Rauschzustände, lindert aber Entzugssymptome.
  • Fentanyl wurde 1959 zum ersten Mal produziert. Es ist bis zu 100-mal stärker als Morphin und wird bei starken oder chronischen Schmerzen eingesetzt. Es gibt weitere Abkömmlinge wie Carfentanyl oder 3-Methylfentanyl, die teils um ein Vielfaches stärker wirken als Fentanyl.
  • Nitazene wurden in den 1950er Jahren entwickelt. Sie gehören zur Klasse der Benzomidazole. Aufgrund ihrer extremen Wirkung kamen diese Substanzen jedoch nie medizinisch zum Einsatz. Nitazene werden mitunter auch als „neue synthetische Opioide“ bezeichnet, da sie vergleichsweise neu auf dem illegalen Markt sind. Nitazene sind 2019 erstmals entdeckt worden.
  • Brorphin ist ein neues synthetisches Opioid, dessen Auftreten auf dem illegalen Drogenmarkt erstmals 2019 dokumentiert wurde.
  • U-Substanzen wie U-47700 oder U-50488 sind weitere Beispiele für neue synthetische Opioide, die zunächst im Forschungslabor entwickelt wurden und später ihren Weg in den illegalen Drogenmarkt gefunden haben [Quelle 2,1]. Ihren Anfangsbuchstaben verdanken sie der Upjohn Company, die in den 1970er und 1980er Jahren das therapeutische Potenzial dieser Substanzen erforscht hat.
  • Tilidin und Tramadol sind Schmerzmittel, die schwächer wirken als Morphin und als einzige synthetische Opioide in bestimmten Darreichungsformen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Welche Rolle spielen synthetische Opioide auf dem illegalen Markt?

In den USA gab es mehrere Wellen tödliche Überdosierungen, die als „Opioid-Krise“ bekannt geworden sind. Eine erste Welle tödlicher Überdosierungen begann in den 1990er Jahren. Die Überdosierungen gehen vor allem auf verschreibungspflichtige opioidhaltige Medikamente, die Oxycodon enthalten, zurück.

Ab etwa 2010 bildeten Überdosierungen mit der illegalen Droge Heroin eine zweite Welle. Ein bedeutsamer Anteil der Patientinnen und Patienten, die zuvor Opioid-haltige Medikamente verschrieben bekommen und eine Abhängigkeit entwickelt haben, wechselte zu Heroin. 

Seit etwa 2013 wird die Opioid-Krise zunehmend durch Fentanyl und andere synthetische Opioide geprägt. Synthetische Opioide scheinen sich nicht nur in den USA, sondern weltweit auszubreiten. Fachkreise sprechen aufgrund des vermehrten Auftauchens von synthetischen Opioiden auf dem illegalen Markt von einem neuen Kapitel oder einer dritten Welle in der Opioid-Krise. 

Der illegale Drogenmarkt ist generell dynamisch und bringt immer wieder neue synthetische Substanzen hervor. Ein großes Risiko ist damit verbunden, dass Drogengebrauchende nie sicher sein können, welche Inhaltsstoffe eine illegale Substanz enthält. Auf dem illegalen Drogenmarkt gibt es auch Produkte, die wie pharmazeutisch hergestellte Medikamente aussehen, tatsächlich aber hochpotente Nitazene enthalten.

Welche besonderen Risiken sind mit synthetischen Opioiden verbunden?

Extrem starke Wirkung

Viele synthetische Opioide wie Nitazene oder Fentanyl und seine chemischen Abkömmlinge sind extrem potent. Aufgrund ihrer starken Wirkung kann es sehr leicht zu gefährlichen Überdosierungen kommen. Die wichtigste Gefahr ist die Atemdepression. Dabei wird das Atemzentrum im Hirnstamm gehemmt. Die Atmung kann sich dadurch bis zum Stillstand verlangsamen.

Verunreinigte Drogen

Bei illegalen Drogen wie Heroin ist nie sicher, welche Substanzen in welcher Dosierung enthalten sind. Bei Todesfällen infolge von Drogenkonsum spielen synthetische Opioide mittlerweile eine wichtige Rolle [Quelle 10]. Tückisch ist, dass Konsumierende nicht erkennen können, ob die Droge, die sie als Heroin gekauft haben, auch tatsächlich Heroin enthält. Langjährig Konsumierende, die eine für sie typische Dosierung wählen, riskieren unbeabsichtigt eine Überdosierung, wenn die Droge synthetische Opioide enthält.

Auch in anderen illegalen Drogen wie Kokain, Methamphetamin oder Ecstasy wurden bereits synthetische Opioide gefunden. 

Verringerte Wirkung des Gegenmittels Naloxon

Eine Überdosierung mit Opioiden ist immer akut lebensbedrohlich, weil sie zu einer Atemlähmung führt. Betroffene drohen zu ersticken, wenn nicht umgehend Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Das wichtigste Notfallmedikament ist Naloxon. Es ist ein sogenannter Opioid-Antagonist. Das Mittel verdrängt Opioide vom Rezeptor und hebt damit die Atemlähmung auf. 

Es gibt Fallberichte, dass Naloxon bei synthetischen Opioiden nicht so zuverlässig wirkt wie bei klassischen Opioiden. Teils muss das Gegenmittel Naloxon mehrfach und über einen längeren Zeitraum verabreicht werden, da synthetische Opioide die Opioid-Rezeptoren immer wieder besetzten und eine Atemlähmung verursacht.

Naloxon selbst hat keine berauschende Wirkung und keinen Effekt bei Personen, die keine Opioide einnehmen. Der Opioid-Antagonist gilt daher als sicher in der Anwendung. Allerdings kann Naloxon bei Opioidabhängigen Entzugserscheinungen auslösen. Problematisch an synthetischen Opioiden ist, dass oft unklar ist, welche Naloxon-Dosis erforderlich ist, um die Atemlähmung aufzuheben, ohne ein Entzugssyndrom auszulösen. 

Drogengebrauchende und nahestehende Personen können sich Naloxon auch als Nasenspray ärztlich verschreiben lassen, um es im Notfall schnell griffbereit zu haben. Das sogenannte Take-Home-Naloxon hat sich in Modellprojekten als lebensrettendes Medikament bewährt. Die Deutsche Aidshilfe bietet außerdem ein Online-Training zum Thema Naloxon und Drogennotfall an.

Betroffene oder Umstehende sollten sich in jedem Falle nicht scheuen, umgehend den europaweitenNotruf 112 zu wählen. Rettungspersonal, Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht.

Quellen:

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  • Armenian, P., Vo, K. T., Barr-Walker, J. & Lynch, K. L. (2018). Fentanyl, fentanyl analogs and novel synthetic opioids: A comprehensive review. Neuropharmacology, 134, 121-132. https://doi.org/10.1016/j.neuropharm.2017.10.016
  • Baumann, M. H., Tocco, G., Papsun, D. M., Mohr, A. L., Fogarty, M. F. & Krotulski, A. J. (2020). U-47700 and Its Analogs: Non-Fentanyl Synthetic Opioids Impacting the Recreational Drug Market. Brain Sci, 10(11), 895. http://dx.doi.org/10.3390/brainsci10110895
  • Caprari, C., Ferri, E., Rossetti, P., Gregorie, A., Citti, C. & Cannazza, G. (2025). The emergence of nitazenes: a new chapter in the synthetic opioid crisis. Archives of Toxicology, 9, 3877-3896. https://doi.org/10.1007/s00204-025-04102-3  
  • Cruz, S. L., Bencomo-Cruz, M., Medina-Mora, M. E., Vázquez-Quiroz, F. & Fleiz-Bautista, C. (2023). First drug-checking study at an electronic festival and fentanyl detection in the central region of Mexico. Harm Reduct J., 20(1), 174. https://doi.org/10.1186/s12954-023-00905-8  
  • De Baerdemaeker, K. S. C., Dines, A. M., Hudson, S., Sund, L. J., Waters, M. L., Hunter, L. J., Blundell, M. S., Archer, J. R. H., Wood, D. M. & Dargan, P. I. (2023) Isotonitazene, a novel psychoactive substance opioid, detected in two cases following a local surge in opioid overdoses. QJM: An International Journal of Medicine, 116(2), 115-119. https://doi.org/10.1093/qjmed/hcac039
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Stand der Information: Oktober 2026


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