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14.10.2026
Alkohol hat eine entspannende Wirkung. Wer jedoch unangenehme Gefühle regelmäßig mit Alkohol dämpft, erhöht langfristig das Risiko für eine Alkoholkonsumstörung. Das zeigt eine aktuelle Langzeitstudie aus Kanada.

Bild: Katarzyna Bialasiewicz / iStock.com
Wir haben alle mal Stress oder fühlen uns nicht gut. Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Manche Menschen nutzen die entspannende Wirkung von Alkohol, um unangenehme Gefühle zu dämpfen. Langfristig erhöhen sie dadurch jedoch das Risiko für eine Alkoholkonsumstörung. Darauf deuten die Ergebnisse einer aktuellen Langzeitstudie hin, in der Angehörige der kanadischen Streitkräfte über einen Zeitraum von 16 Jahren begleitet wurden.
Soldatinnen und Soldaten können besonders starkem, mitunter traumatisierendem Stress ausgesetzt sein. Bei der Frage, wie die Betroffenen damit umgehen, unterscheiden Studienleiterin Meredith Seager und ihr Team drei Bewältigungsstile:
Die Forschenden der Universität von Manitoba untersuchten, wie Bewältigungsstile das Risiko erhöhen oder verringern, später eine Alkoholkonsumstörung zu entwickeln. Dabei kann es sich um schädlichen Konsum handeln, der bereits negative Folgen verursacht hat, oder eine Alkoholabhängigkeit, bei der Betroffene die Kontrolle über ihr Konsumverhalten verloren haben.
Grundlage der Studie waren Daten von 2.867 Soldatinnen und Soldaten, die zu Beginn der Untersuchung im Jahr 2002 keine Konsumstörung aufwiesen. Im Jahr 2018, also 16 Jahre später, wurden sie erneut befragt.
Die Analyse zeigte einen klaren Zusammenhang: Personen, die zur Selbstmedikation neigten, hatten eine um 26 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, im Verlauf von 16 Jahren eine Alkoholkonsumstörung zu entwickeln. Diese Bewältigungsstrategie war auch mit häufigerem Rauschtrinken verbunden.
„Auch wenn Einzelpersonen durch Selbstmedikation als Bewältigungsstrategie vielleicht ein Gefühl der kurzfristigen Erleichterung verspüren, können die potenziellen Schäden doch langfristig sein“, erklären Seager und ihr Team.
Wichtig zu wissen ist, dass die Studie nur Zusammenhänge, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweist. In den Analysen wurden jedoch weitere wichtige Faktoren berücksichtigt, darunter Alter, Geschlecht, Einkommen, Familienstand, Bildungsstand, Dienstgrad und psychische Erkrankungen. Unabhängig von diesen Faktoren war die Bewältigungsstrategie der Selbstmedikation ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Alkoholkonsumstörung.
Für das Vermeidungsverhalten als Bewältigungsstrategie fand sich kein bedeutsamer Zusammenhang mit einer Alkoholkonsumstörung. Andere Faktoren scheinen wichtiger zu sein.
Die Forschenden erklären, dass Angehörige der Streitkräfte durch besonders stressige Erfahrungen belastet sein können. Gleichzeitig würden sie aber stärker als andere Menschen dazu neigen, ihren Substanzkonsum und emotionale Probleme aus Sorge vor Stigmatisierung und negativen beruflichen Konsequenzen zu verschweigen.
Spezielle Angebote und Unterstützung bei der Entwicklung problemorientierter Bewältigungsstrategien seien daher sinnvoll. Das gilt sowohl für Soldatinnen und Soldaten als auch für Zivilisten. Denn Bewältigungsstrategien sind Verhaltensweisen, die trainiert werden können.
Anders sah es bei Menschen aus, die Probleme aktiv angingen. Wer bei unangenehmen Gefühlen lösungsorientierte Strategien anwendet, hatte ein um 14 Prozent geringeres Risiko für eine Alkoholkonsumstörung als die übrigen Befragten. Wer beispielsweise Hilfe sucht oder soziale Unterstützung nutzt, könnte nach Einschätzung der Forschenden davor geschützt sein, Probleme mit dem Alkoholkonsum zu entwickeln.
Seager und ihr Team weisen auch darauf hin, dass es wichtig sei, problematische Konsummuster frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Auf drugcom.de können Interessierte sich selbst testen. Es stehen Selbsttests zu Alkohol, Cannabis, Kokain und Amphetamine zur Verfügung. Die Tests liefern umgehend eine Einschätzung des persönlichen Risikos. Kostenlose, anonyme Beratung gibt es per E-Mail oder in der täglichen Chat-Sprechstunde.
Quelle:
Seager, M. J., Bolton, S.-L., Bolton, J. M., Mota, N. P., Afifi, T. O., Sareen, J. & Enns, M. W. (2024). Coping style as a risk factor for future alcohol use disorder: A 16-year longitudinal study in a Canadian military sample. Drug and Alcohol Dependence, 262, 111408. https://doi.org/10.1016/j.drugalcdep.2024.111408
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