Körpereigene Cannabinoide beim Runner’s High

30.09.2026

Wie lange muss man laufen, um Euphorie zu verspüren? Welche Rolle spielen Endocannabinoide beim Runner’s High? Forschende haben vom Marathon bis Ultramarathon unterschiedliche Distanzen untersucht.

Marathonläufer:innen von hinten

Bild: sportpoint / iStock.com

Wichtige Erkenntnisse

  • Studie über unterschiedliche Laufdistanzen untersucht Endocannabinoid-Werte im Blut
  • Kontinuierlicher Anstieg des Endocannabinoids Anandamid während eines Marathons
  • Höhere Anandamid-Werte beim Marathon als beim Ultramarathon
  • Euphorische Gefühle schon bei Kilometer 14
  • Neben der Distanz ist vermutlich die Intensität des Laufens wichtig.

Ein bisschen verrückt muss man wohl sein, um solche Distanzen zu laufen. Ein Marathon? Zu kurz. Bis zu 230 Kilometer sind die Teilnehmenden gelaufen. Am Stück. Die „TorTour de Ruhr“ ist kein Rennen für jeden und jede. Mitmachen geht nur auf Einladung. Mit dabei war ein Forschungsteam aus der Arbeitsgruppe von Johannes Fuß von der Uniklinik Duisburg-Essen. Die Forschenden nutzten den Ultramarathon, um das Runner’s High zu untersuchen. 

Endocannabinoide statt Endorphine für Runner’s High verantwortlich?

Beim Runner’s High handelt es sich um ein Phänomen, das manche Menschen bei längeren Laufeinheiten erleben: Gute Laune macht sich breit, Angstgefühle verblassen und Schmerzen lassen nach. Lange wurde der Effekt opiatähnlichen Stoffen, den sogenannten Endorphinen zugeschrieben. 

Durch experimentelles Blockieren körpereigener Opioid-Rezeptoren konnten Fuß und sein Team bereits in einer früheren Studie zeigen, dass nicht Endorphine, sondern vermutlich Endocannabinoide am Runner’s High beteiligt sind. Dabei handelt es sich um körpereigene Stoffe, die wie der Cannabiswirkstoff THC an Cannabinoidrezeptoren binden. 

Blutproben vor, während und nach dem Lauf

In bisherigen Studien ging es überwiegend um Ausdauerbelastungen von weniger als 60 Minuten. Um die Auswirkungen längerer Laufeinheiten zu untersuchen, führten die Forschenden zwei getrennte Studien durch. 

In Studie 1 liefen 19 erfahrene Läuferinnen und Läufer dreimal um den Baldeneysee in Essen. Die Distanz entspricht einem Marathon von etwa 42 Kilometern. Vor dem Start, nach jeder Runde und nach dem Zieleinlauf wurde den Teilnehmenden Blut abgenommen. Ein bis zwei Monate später sind die Personen auf derselben Route lediglich im Schritttempo gegangen. Allerdings nur so lange, wie sie zuvor für den Marathon gebraucht hatten.

Deutlich extremer waren die Bedingungen in Studie 2. Dafür nutzten die Forschenden die „TorTour de Ruhr 2024“. Die Laufdistanzen betrugen 100, 160 oder 230 Kilometer quer durch das Ruhrgebiet entlang der Ruhr. 13 Frauen und 23 Männer erklärt sich bereit, vor und nach dem Rennen Blutproben abzugeben.

Kontinuierlicher Anstieg des Endocannabinoid Anandamid im Blut

Vor allem in der Marathon-Studie zeigte sich ein kontinuierlicher Anstieg des Endocannabinoids Anandamid. Dazu erklärt Erstautor Michael Siebers:

„Wir haben festgestellt, dass Anandamid nicht nur zu Beginn des Laufens ansteigt. Die Konzentration nimmt über einen ganzen Marathon weiter zu, und selbst 45 Minuten später sind die Werte noch erhöht.“ 

Das Gehen um den See hatte dagegen nur einen geringen Einfluss auf die Anandamidkonzentration im Blut. Bei den Werten für andere Endocannabinoide zeigte sich kein klares Bild. Teilweise waren sie vor allem nach dem Rennen erhöht.

Beim Ultramarathon waren die Anandamid-Werte zwar über alle Distanzen hinweg erhöht, blieben aber unter denen des Marathons. Die Forschenden erklären dies damit, dass beim Marathon für gewöhnlich schneller gelaufen werde als beim Ultramarathon. Sie vermuten daher, dass für die Ausschüttung von Endocannabinoiden nicht nur die Distanz, sondern auch die Intensität des Laufens wichtig ist. 

Euphorische Gefühle nach 14 Kilometern

Und wie steht es um das Runner’s High? Gemessen an den Werten für euphorische Gefühle lag auch hier der Marathon vor dem Ultramarathon. Schon nach einem Drittel der Distanz, also nach 14 Kilometern, fühlten sich die Laufenden euphorischer als vor dem Start. 

Nach Kilometer 28 gab es allerdings eine kleine Delle. In dieser Phase des Marathons stellt der Körper meist auf Fettverbrennung um, erklären die Forschenden. Ein Gefühl wie „gegen die Wand laufen“ werde häufig berichtet. Bis zum Ende des Marathons sind die Euphoriewerte aber wieder angestiegen und blieben auch nach dem Rennen noch eine Weile erhöht. 

„Ob die Botenstoffe tatsächlich für das Runner’s High verantwortlich sind, lässt sich daraus aber noch nicht ableiten. Dafür müssen wir genauer klären, welchen Anteil sie an Euphorie, Angstreduktion und Schmerzwahrnehmung beim Laufen haben“, erklärt Johannes Fuß. Es scheint jedoch deutlich geworden zu sein, dass man für die guten Gefühle keine 230 Kilometer laufen muss. Ein flotter Marathon reicht.

Quellen:

  1. Pressemitteilung Universität Duisburg-Essen (2.9.2026)
  2. Siebers, M., Huvermann, D., Siebers, C., Canales-Romero, D., Florea-Ghile, A., Keite, L., John, L., Munk, M., Bizjak, R., Witzel, J., Schulz, S., Kirsten, J., Bindila, L., Hinney, A., Grau, M., Bizjak, D. A., Engler, H. & Fuss, J. (2026). Endocannabinoid dynamics across marathon and ultramarathon running: evidence from two field studies. BMC Medicine, 24, 469. https://doi.org/10.1186/s12916-026-05186-z
  3. TorTour de Ruhr>FAQ  

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