Wie sich gegessener Cannabis auf die Fahrtüchtigkeit auswirkt

28.10.2026

Essbare Cannabisprodukte, bekannt als Edibles, machen auch high, aber anders. In einer aktuellen Studie zeigte sich: Die Leistungen im Fahrsimulator verschlechterten sich bereits bei vergleichsweise niedrigen THC-Blutwerten.

Langzeitbelichtung und verschwommene Sicht auf nächtliche Straße mit Autos von hinten

Wichtige Erkenntnisse

  • Testpersonen konsumierten Fruchtgummis mit 0, 2, 10 oder 20 Milligramm THC.
  • Die Leistungen im Fahrsimulator waren ab 10 Milligramm THC deutlich beeinträchtigt und vielen mit höherer Dosis noch schlechter aus.
  • Trotz wahrgenommener Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit lagen die höchsten gemessenen Blutwerte für THC bei 3,4 Nanogramm pro Milliliter Blut und damit unter den Grenzwerten, die auch in Deutschland für Cannabis im Straßenverkehr gelten.

Bekifft hinterm Lenkrad zu sitzen, ist keine gute Idee. Studien belegen ein deutlich erhöhtes Crashrisiko für Cannabiskonsum im Straßenverkehr. Doch wie verhält es sich, wenn Cannabis gegessen wird? Ein Forschungsteam aus Kanada hat die Auswirkungen von Cannabis-Edibles untersucht. Dabei variierten die Forschenden die aufgenommene Dosis THC, dem Hauptwirkstoff von Cannabis.

Fruchtgummis mit und ohne THC

In Kanada kann Cannabis legal in lizensierten Geschäften gekauft werden. Das schließt auch essbare Produkte ein. Studienleiter Bernard Le Foll und sein Team testeten cannabishaltige Fruchtgummis. Diese enthielten jeweils zwei Milligramm (mg) THC. Zum Vergleich wurden auch Placebo-Fruchtgummis verwendet, die genauso aussahen und schmeckten, aber kein THC enthielten.

20 Männer und 20 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren nahmen an der Studie teil. Alle Personen absolvierten vier Durchläufe, in denen unterschiedliche Dosierungen getestet wurden. Vor jedem Durchlauf aßen die Testpersonen je zehn Fruchtgummis. Getestet wurden 0 mg, 2 mg, 10 mg oder 20 mg THC. In der 2-mg-Variante aßen die Teilnehmenden beispielsweise einen THC-Fruchtgummi mit 2 mg THC und neun Placebos. Es handelte sich um eine randomisiert-kontrollierte Studie, bei der weder die Teilnehmenden noch die Untersuchungsleitenden wussten, wer wie viel THC bekam.

Dosisabhängig schlechtere Fahrleistungen

Danach ging es in den Fahrsimulator. Die Hauptaufgabe der Teilnehmenden bestand darin, bei gleichmäßiger Geschwindigkeit in der Mitte der Fahrspur zu bleiben. Der wichtigste Messwert war die Abweichung von der Fahrspurmitte. Zusätzlich wurde die Reaktionsgeschwindigkeit getestet. Dazu mussten die Teilnehmenden so schnell wie möglich bremsen, wenn ein Stoppschild eingeblendet wurde.

Die Ergebnisse zeigten einen klaren Dosiseffekt: Ab 10 mg THC nahm die Spurabweichung deutlich zu und war bei 20 mg THC im Vergleich zum Placebo am stärksten ausgeprägt. Bei der höchsten Dosis THC war die Reaktionszeit bedeutsam verlängert. Gleichzeitig nahm die Fähigkeit ab, die Geschwindigkeit konstant zu halten.

Beeinträchtigung trotz niedriger THC-Blutwerte

Die Teilnehmenden spürten die Wirkung ab 10 mg THC auch selbst. Bei 20 mg THC war der Rausch am stärksten ausgeprägt. Mit steigender THC-Dosis schätzten sie ihre Fahrfähigkeit schlechter ein und wären nach eigener Aussage weniger bereit gewesen, im echten Straßenverkehr noch zu fahren. 

Bemerkenswert waren die Blutwerte. Bei der höchsten verabreichten Dosis von 20 mg THC lagen sie bei 3,4 Nanogramm THC pro Milliliter. Damit lagen die höchsten ermittelten Blutwerte unter den Grenzwerten mancher US-Bundesstaaten, in denen ein Grenzwert von 5 Nanogramm THC gilt. Auch in Deutschland lägen die Blutwerte unter dem nach der Teillegalisierung festgelegten Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum.

Andere Verstoffwechselung bei Edibles

In einer früheren Studie hatten die Forschenden dasselbe Studiendesign durchgeführt. Die Teilnehmenden konsumierten den Cannabis jedoch durch Rauchen. Die Abweichungen von der Fahrspur waren mit denen in der aktuellen Studie vergleichbar. Die höchsten THC-Blutkonzentrationen lagen jedoch fast zehnmal so hoch.

Die Forschenden erklären, dass gegessener Cannabis aufgrund einer anderen Verstoffwechselung in der Regel zu niedrigeren THC-Blutkonzentrationen führt. Angesichts der Studienergebnisse müsse allerdings davon ausgegangen werden, dass es bei Edibles ein Missverhältnis gibt zwischen THC-Blutwerten und tatsächlicher Beeinträchtigung. 

Quelle:

Le Foll, B., Matheson, J., Antwi, P., Wright, M., Zaweel, A., Hasan, O. S. M., Kloiber, S., Hassan, A. N., Sproule, B., Wickens, C. M., Di Ciano, P. & Brands, B. (2026). Dose-Dependent Effects of Cannabis Edibles on Simulated Driving Performance: A Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open, 9(8), e2631306. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2026.31306

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